In Schweizer Publimedien wie Blick und 20 Minuten wurde vor Kurzem die Pleite der Firma und Schweizer Marke Nutriathletic bekannt gemacht und auf die bekannten Botschafterinnen Wendy Holdener und Michelle Gisin verwiesen. Doch der Unternehmer und Gründer Piero Fontana gibt nicht auf und führt die Marke unter anderer Firma weiter. Das beweist Kampfgeist, doch hat Nutritathletic eine Zukunft?
Wirklich viel erfuhr man aus den Berichten in den Publimedien nicht. Darum geht es den Publimedien auch nicht. Sie wollen Skandal-Schlagzeilen, damit die Leser grosse Augen machen und den Artikel lesen, sehr viel Informationstiefe und Details bieten die Artikel nicht. Aber eines erreichen sie auf alle Fälle: Die Aufmerksamkeit zahlloser Leser, darunter auch meine.
Nutriathletic war mir bis anhin unbekannt
Ich muss gestehen, die Marke „Nutriathletic“ war mir bis dato nicht bekannt, obwohl ich mich seit Jahren mit Sporternährung und Nahrungsergänzungsmitteln für Sportler auseinandersetze. Als Beispiel habe ich vor Jahren einen grossen Artikel zum Thema „veganes Protein“ verfasst. Seit Beginn der Website anno 2013 berichteten wir über Produkte des Schweizer Unternehmens Winforce, bio-familia AG oder Burgerstein und führen bis heute Gespräche mit Herstellern wie Sponser, Joe Weider und vielen anderen nationalen und internationalen Nahrungsmittelherstellern im Sportbereich. Die Tatsache, dass ich selbst die Marke nicht kannte, zeigt einen ersten Mangel auf: Die mangelnde Bekanntheit der Marke. Das ist angesichts der zahllosen Marken und Produkte in diesem Segment auch kein Wunder, wenn man nicht Millionen in Werbung investieren kann.
Verantwortlich für den Konkurs soll der Pulver-Lieferant sein
Die Verantwortung für den Konkurs von Nutriathletic sieht Gründer und ehemaliger CEO Piero Fontana beim Lieferanten des Pulvers (Protein, Kohlenhydrat). Seit 2022 soll ein Konflikt bestanden haben, nachdem der Lieferant nicht den Zeitpunkt der Lieferung einhielt noch die Qualität. Und ganz offensichtlich hat dieser Lieferant seine Forderung vor Gericht durchgesetzt und Nutriathletic seine Ansprüche nicht. Piero Fontana wollte mir im Gespräch partout nicht den Lieferanten nennen, es soll aber ein Schweizer Unternehmen sein.
Sollte das Handeln des ehemaligen Vertragspartners tatsächlich fehlbar gewesen sein, hätte das Management im Sinne einer Schadensminderungspflicht für die Aktionäre handeln müssen und gegen den Lieferanten rechtlich vorgehen und zumindest eine Schadensersatzforderung stellen und eine Minderung der Rechnung verlangen müssen. Ob das geschehen ist, weiss ich nicht, aber man kann die Schuld für den eigenen Konkurs nicht einfach einem anderen in die Schuhe schieben. Es ist sogar denkbar, dass dieser Lieferant arglistig handelte und mit seinen Fehlern dem Unternehmen schaden wollte mit dem Ziel, einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen für sich selbst oder einen anderen Kunden, aber das sind müssige Spekulationen. Am Ende hat das Management der Nutriathletic AG offensichtlich das Risiko oder die Gefahr, die von dieser Partnerschaft ausging, nicht erkannt oder nicht richtig eingeschätzt und im Konfliktfalle es versäumt, angemessen zu reagieren und das eigene Unternehmen ausreichend zu schützen. Insofern müssen aufseiten des Managements von Nutriathletic Fehler gemacht worden sein, sei es beim Risikomanagement oder sei es beim Kapitalschutz.
Viel Geld verbrannt – reicht das vorhandene Geld?
2013 startete das Unternehmen mit einem stattlichen Kapital von 1.9 Millionen Franken. In den Jahren 2015 bis 2021 wurden diverse Kapitalerhöhungen durchgeführt, die noch einmal 1.9 Millionen Franken in die Kasse des Unternehmens spülten. Und auch 2024 und 2025 sollen noch einmal drei Kapitalerhöhungen durchgeführt worden sein. Insgesamt konnte das Unternehmen also mit einem stattlichen Aktienkapital von rund 4-5 Millionen Schweizer Franken operieren. Nun ist dieses ganze Geld verloren. Der Firma Dr. Fontana Lab GmbH, welche die Marke Nutriathletic übernommen hat, mit einem Gesellschaftskapital von CHF 20’000 soll nun glücken, was der Vorgängerfirma nicht glückte. Da braucht es schon einen gesunden Optimismus, um Solches anzunehmen. Die Marke Nutriathletic konnte auf diese Weise gerettet werden, was ein klarer Erfolg ist. Da die neue Firma bereits eine der bisherigen Hauptaktionärinnen der in Konkurs geratenen Firma war und für wesentliche Teile der Produktion verantwortlich, kennt sie das Geschäft zu 100%. Die fünf Mitarbeiter konnten übernommen werden und auch die Produktionspartner, Lieferanten und Kunden blieben erhalten. Doch in Wahrheit gilt es, viele Hürden zu nehmen. Es ist äusserst fraglich, ob das mit dem vorhandenen Geschäft zu schaffen ist. Und es besteht überhaupt kein Spielraum für Fehler und Fehleinschätzungen, andernfalls droht auch der Firma, die nun Nutriathletic weiterführt, irgendwann der Konkurs.
Elementare Marketingaufgaben müssen erfüllt werden
Bis anhin ist es nicht gelungen, die Marke zu einer grossen nationalen oder internationalen Marke aufzubauen, welche bei der ganzen Bevölkerung bekannt ist und eine positive Ausstrahlung auch auf Nichtkunden hat. Zudem mangelt es an der starken Markenpositionierung. Wofür steht Nutriathletic eigentlich? Piero Fontana spricht davon, dass sie von der Seite der Wissenschaft kämen und bei Ärzten und Apotheken gut ankämen, weshalb sie die Zusammenarbeit mit Clubs, Ärzten und Apotheken vertiefen wollen. Kunden und Nichtkunden müssen wissen, weshalb sich ein Kunde für Nutriathletic entscheidet. Ich glaube, der Firma ist die Bedeutung dieser Marketingtatsachen und das Vorhandensein elementarer Mängel im Marketing nicht bewusst. Angesichts des starken Wettbewerbes und der zahlreichen nationalen und internationalen Konkurrenten muss das Unternehmen diese Hausaufgabe nun schnell lösen, will es langfristig Erfolg haben. Hierzu wird frisches Kapital notwendig sein.
Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage ist die Rettung der Marke ein grosser Erfolg und die positive Ausrichtung auf die Zukunft lobenswert, aber ich mache mir grosse Sorgen über die Zukunft von Nutriathletic. Man hat viel erreicht, aber der Konkurs hat zu einem grossen Reputationsschaden geführt. Und die vorhandenen Mängel im Unternehmen müssen beseitigt werden. Es wäre denkbar, dass Nutriathletic in Zukunft trotz all der Anstrengungen vom Markt verschwindet oder von neuen Investoren und Machern übernommen wird, welche die Zukunft neu und anders gestalten werden. Ich wünsche Piero Fontana und seinem Team viel Glück und Erfolg, aber mahne auch zur Vorsicht angesichts der Anstrengungen und Gefahren, die da noch auf das Unternehmen und die Marke warten.


